19.07.2010 - 09:07 von Dipl.Päd. Manfred Schreiber (Kommentare: 1)
Hamburger lehnen Primarschule ab
Schlappe für die schwarz-grüne Koalition in Hamburg: Die Bürger haben bei einem Volksentscheid über das künftige Schulsystem in der Hansestadt die Einführung einer sechsjährigen Primarschule mit deutlicher Mehrheit abgelehnt.
Das Ergebnis des Hamburger Volksentscheids ist ein Rückschlag für alle, die Schulpolitik von unten denken und Schulen im Sinne sozial benachteiligter Schüler verbessern wollen. Offensichtlich wollen viele Hamburger das nicht.
Kommentar des medienkiosk-koblenz:
Alleine schon eine Wahlbeteiligung von rund 39 Prozent (Anscheinend ist es der Masse egal, was mit dem Nachwuchs auf der Schule passiert!!!!) lässt darauf schließen, dass sich alte Grabenkämpfe wiederholen. Die eine Seite der sogenannten Bildungsbürger wollen für ihre Kinder den Erhalt der "besseren Schulen" (Ist das Gymnasium eine solche?) und damit auch die Reservierung für ihre Kinder und gleichzeitig die Freihaltung von angeblich weniger Begabten. Die anderen aber sind der Meinung, dass sich in 6 Jahren Grundschule leichter eine mögliche Begabung und Eignung feststellen lässt.
Es ist zu vermuten, dass die letzteren sich an der Abstimmung auch weniger beteiligt haben. Sicher ist das auch ein Ausdruck von Demokratie. Heißt das aber, dass es auch richtig und sinnvoll ist? Wohl kaum!
Feststellen muss man aber auch: "Nicht die plebiszitäre Demokratie ist schuld, sondern derjenige, der zu faul ist, sie zu nutzen."
Das Konzept einer 6-jährigen "Grundbildung" hat sich in vielen Ländern schon bewährt. Auch dort war das keine Gefahr für höhere Bildungsgänge, wie die Mehrheit der 39 Prozent vermutlich antizipiert. Das spricht z.B. ein Volker Kauder von einem Frontalangriff auf die Gymnasien. Weiß der Mann eigentlich wovon er spricht? Im Übrigen soll das Gymnasium ja gar nicht bedroht oder gar abgeschafft werden, wie der oben Genannte suggerieren wollte!
Es ist wohl nicht zu weit hergeholt, von Klassenkampf im Monopolkapitalismus zu sprechen. Solche Reminiszenzen sollten in einer aufgeklärten Gesellschaft eigentlich obsolet sein! Oder meint die falsch verstandene Aufklärung doch nur die Klärung der Fronten? Hier die in jedem Falle Begabten (auch wenn dem kein objektiver Sachverhalt zugrunde liegt) ==> möglichst schnell in die vermeintlich bessere Ausbildungsschiene, und dort die sozial Benachteiligten und Spätentwickler, die wahrscheinlich für höhere Posten ohnehin nicht geeignet (???) sind.
Warum hat eigentlich die Seite der Befürworter so wenige zur Wahl animieren können. Haben die vielleicht schon aufgegeben oder sind sie den Rattenfänger-Argumenten der "Elite-Denker" erlegen. Wie auch immer, die gesellschaftliche Aufklärung hat noch enormen Nachholbedarf.
"Auch wenn man keinen direkten Vergleich ansetzen kann: "Keiner darf zurückbleiben", lautet das Motto der Schulen in Finnland. Bis zu neun Jahre bleiben die Kinder zusammen, bis diejenigen, die gute Noten haben, das weiterführende Gymnasium besuchen können. Das finnische System hat Erfolg: Kein Land konnte sich bei den Pisa-Studien so gut behaupten wie Finnland."
Die Hamburger haben gegen die Schulreform gestimmt. Doch die panische Abgrenzung der Mittelschicht wird das Problem verschärfen.
Ein Kommentar von Christian Bangel
In Hamburg ist nach Auffassung unserer "Bundsbildungsministerin" der Eindruck erweckt worden, das Gymnasium sei Schuld an den Schwachstellen im deutschen Bildungssystem. "Das war falsch und deswegen ist es so ausgegangen", sagte sie. Wer hat denn diesen Eindruck erweckt?
Aber Bildungspolitik kann man nicht nach dem Ursache-Wirkungs-Prinzip machen. Das hätte sie eigentlich schon in Baden-Württemberg feststellen können.
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Kommentar von Ernst Müller | 26.07.2010
Um es polemisch auszudrücken: "Schavan" klingt für mich so ähnlich wie "Larifari".
Mehr ist es wohl auch nicht. Einmal hat die "Bundes(ver)bildungsministerin ohnehin keinen direkten Einfluss, dank Föderationsreform, zum Anderen hat sie schon in Stuttgart keine besonderen Leistungen gezeigt.
Also: Vergessen wir´s !