Jüdische Delegation im Vatikan - Papst bittet um Vergebung (von Jürgen Erbacher)
(12.02.2009) Klar und deutlich ist die Botschaft Papst Benedikts XVI., die von der Begegnung mit Vertretern des Judentums heute Morgen ausgeht: Antisemitismus und die Leugnung des Holocaust werden aufs schärfste verurteilt. Vor allem Geistliche müssten das wissen.
Warum erst jetzt?
mehr dazu beim ZDF
(ms - 28.01.2009) - In ganz Deutschland wird in diesen Tagen der Opfer des Nationalsozialismus gedacht, was die Judenverfolgung ebenso wie die Verfolgung anderer Volksgruppen (z.B. Sinti,Roma u.a.) betrifft.
In diesem Zusammenhang hat Bundespräsident Horst Köhler beklagt, dass das Wissen besonders der jungen Generation über Nationalsozialismus und Holocaust besonders mangelhaft ist. Dies ist aber nur die eine Seite. Spricht man mit vielen älteren Menschen über die damalige Zeit und die Ereignisse, findet man häufig ein erstaunliches Verbundensein mit den "alten Vorurteilen" speziell zum "Weltjudentum und seinem angeblichen Einfluss" auf unser Leben. Diese Haltung wird dabei mit großer Überzeugung und vorgeblicher Gewissheit vertreten.
Wenn dann noch, gerade jetzt, unser "deutscher Papst" die Exkommunikation eines Bischofs aus der Lefebre-Bewegung (Richard Williamson), der gar den Holocaust leugnet, aufhebt und mit der Begründung der Erhaltung des Friedens in der Kirche rechtfertigt, ist das Maß voll.
Mit vollem Recht und in seiner Verantwortung vor der Geschichte hat Gott sei Dank der Koblenzer Oberbürgermeister Dr. Eberhard Schulte-Wissermann diesen Entschluss als unverständlich bezeichnet. Aber er ist nicht unverständlich, nein er ist unverantwortlich und fügt sich ein in einen "latenten Antisemitismus" der Kirche in der Geschichte.
In Neonazi-Internetforen (Adressen dem Medienkiosk bekannt) sammeln sich
inzwischen Sympathiebekundungen für Richard Williamson, der in einem Interview den
Holocaust geleugnet hatte. Vielen Dank Herr Ratzinger!
Nachtrag (29.01.2009):
Wenn der Papst jetzt, wie die Rhein-Zeitung titelt, Zeichen setzen will, indem er sich von Holocaust-Leugnung distanziert, ist das menschlich nachvollziehbar und wahrscheinlich auch glaubwürdig. Allerdings muss sich ein (Staats-)Oberhaupt immer vorher im Klaren sein, was seine Äußerungen und Taten bewirken können. Diesmal war es ein "Eigentor", und leider nicht das erste !
Nach Holocaust-Leugner Williamson hat ein weiterer katholischer Geistlicher den Judenmord in Frage gestellt.
mehr dazu in der Netzeitung
Bischof Williamson hat sich inzwischen vordergründig entschuldigt:Seine Äußerung sei «unbedacht» gewesen und er
entschuldige sich für «die Probleme», die er damit verursacht habe,
erklärte Williamson in einem Schreiben, das am Freitag (30.01.09) von dem
religiösen argentinischen Internetportal Panorama Católico
Internacional verbreitet wurde. Allerdings nahm Williamson die Leugnung
des Holocausts nicht zurück.
Auch gegenüber dem antisemitischen (katholischen) “Radio Maria” und seinen priesterlichen Unterstützern in Polen zeigt Rom unendliche Langmut.
Die Theologin Uta-Ranke Heinemann erhebt ebenfalls schwere Vorwürfe gegen
Benedikt XVI. SPIEGEL ONLINE sagte sie, der Papst, der den Anspruch
erhebe, in Glaubens- und Moralfragen unfehlbar zu sein, bagatellisiere
mit dieser Ex-Exkommunikation den Antisemitismus.
mehr beim Spiegel