„Gewinn und Moral – Wie passt das zusammen?“ (Kurzbericht)

Beginn der Veranstaltung 18:05 mit der Einführung durch Thomas Welling, Vorstandsmitglied der Sparkasse Koblenz und Prof. Dr. Martin Kaschny, Repräsentant des Netzwerks KoNet


Herr Welling zeigte sich stolz, dass sein Institut sich dieses Themas in Zusammenarbeit mit KoNet angenommen habe. Er wünschte der Veranstaltung gutes Gelingen.

Alr erster Redner eröffnete dann Professor Paul Rheinbay, Prorektor der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar, die Diskussion.

Als Theologe ging er von der Annahme bzw. (für ihn)  Gewissheit aus, dass soziales Handeln (d.h. auch Wirtschaften ) immer von der immanenten Einheit der beteiligten Menschen ausgeht. Es gibt dieses Miteinander oder es gibt "gar nichts". Jeder Mensch ist ein Teil davon und kann als solcher wirksam werden. Dass dabei Fehler gemacht werden ist nur natürlich. Es komme aber darauf an, wie wir mit diesen Fehlern umgehen. Als ein Beispiel für die "verlorene Einheit" nannte er den 9.11. in Amerika. Hier sehe man das Ergebnis von Versäumnissen beim Umgang mit Fehlern mit einem folgenden absoluten Werteverlust.
Bezogen auf das Thema des Abends bedeute das, dass in einem Unternehmen diese (menschliche) Einheit der Beteiligten gesehen,wiedergefunden und gelebt werden sollte, und dass es einen internen Wertekatalog dazu geben müsse. Jeder Mitarbeiter muss eingebunden werden, die Unternehmensziele sollten alle oder wenigsten die Mehrheit "begeistern". Grundlage dabei sei das Vertrauen in die "gemeinsamen Ziele". Um das zu gewährleisten seien auch "Wertewächter" von Nöten.
Neben der eigentlichen (Mit-)Arbeit gehe es dabei auch um Menschlichkeit im weiteren Sinne, die auch eine Fürsorge der Firma über das tägliche Arbeiten hinaus umfasse. Arbeit und Wirtschaft seien kein Selbstzweck, sondern dienten den Menschen.

Prof. HenslerIm Anschluss daran übernahm Professorin Ingeborg Henzler, Präsidentin der Fachhochschule Koblenz die Moderation und stellte -nach einer launigen Anmerkung: "Gut gepredigt Herr Pater!" kurz die weiteren Diskutanten des Podiums vor:
Professorin Elisabeth Jünemann von der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen

Volker Lauterjung von der Rasselstein GmbH,

Christian Lindner, Chefredakteur der Rhein-Zeitung,

Achim Lohner, geschäftsführender Gesellschafter der Achim Lohner GmbH & Co. KG,



Danach stellte sie die grundsätzliche Frage, worum es beim Wirtschaften eigentlich geht oder gehen sollte. Ist kurzfristige Gewinnmaximierung das Ziel oder mittelfristig die Sorge um den "shareholder value" oder langfristig etwas ganz Anderes?
Daran anschließend die direkte Anfrage an Volker Lauterjung: Wie lösen Sie diese Probleme?

Lauterjung: Ich habe als Verantwortlicher (-ich bin auch Theologe-) sehr viel Erfahrungen mit innerbetrieblicher Kommunikation und begleitend auch mit echten Schicksalen. Hier ist eine enge Zusammenarbeit und Beratung nötig. Es ist auch nicht einfach, die "Schuldigen" zu erkennen und verrantwortlich zu machen, zumal diese oft selbst Opfer genereller Zusammenhänge und Zwänge sind. Aber es gibt durchaus die Chance, dass echte Kommunikation und Problemlösung gelingen kann.

Frage der Moderatorin an Achim Lohner, geschäftsführender Gesellschafter der Achim Lohner GmbH & Co. KG: Ist es für einen MIttelständler vielleicht etwas einfacher den Problemen zu begegnen?

Lohner: Aus der Sicht meines Betriebes und seiner Mitarbeiter würde ich das bejahen. Dies wird zum Einen durch die Vorbildfunktion der Führung, zum Anderen aber auch durch die "Begeisterung" für die Arbeit des Unternehmens gefördert. Es macht mir persönl.ich auch viel Spaß, mit Mitarbeitern zusammen anstehende Probleme zu lösen.

Frage an Christian Lindner, Chefredakteur der Rhein-Zeitung: Und wie sieht das bei Ihnen aus? Wie geht der Chefredakteur mit Informationen und Mitarbeitern um?

Lindner: Auch wir (Rhein-Zeitung) sind ein eher regionales Unternehmen. Bedingt durch die Größe und Verbreitung haben wir relativ wenig direkte Abhängigkeit z.B. von einzelnen Anzeigenkunden und können dadurch auch unabhängiger reagieren. Dadurch wird auch die tägliche Arbeit unserer Mitarbeiter, die eine hervorragende Ausbildung bei uns genießen, einfacher und befriedigender. Es geht immer um die Aufgabe, unsere Leser umfassend zu informieren und damit fähig zu machen Zusammenhänge zu sehen und damit umgehen zu können.

Frage an Professorin Elisabeth Jünemann von der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen: Wie mir bekannt wurde haben Sie in Anlehnung an die christlichentl_files/artikel/allgemein/pfeilrot.jpg 10 Gebote eine Adaption für den wirtschaftlichen Bereich erstellt und als Richtschnur vorgestellt. Wie sehen Sie die Problematik? 

tl_files/artikel/politik/juenemann.jpgJünemann: Wie meine Vorredner  ist auch für mich der Begriff "Vertrauen" ein zentrales Element einer innerbetrieblichen Kultur. Dieses Vetrauen ist dann gewährleistet, wenn jeder Mitarbeiter weiß, was der Betrieb (der Chef) als gut und richtig erachtet, und dies auch mit den ganz persönlichen Einstellungen der Mitarbeiter in Einklang zu bringen ist. In der Wirtschaftssprache würde man dann vielleicht eher von "trust" bzw. "confidence" sprechen. Die heutige Problemlage beruht auch auf der Tatsache, dass die Menschen gegenüber früher sehr viele Freiheiten und Möglichkeiten haben und deshalb auch eine übergeordnete Orientierung in Form eines (allgemein akzeptierten) Regelwerks brauchen.  tl_files/artikel/allgemein/pfeilrot.jpg DekaCert


Moderatorin: Helfen diese Ansätze wirklich bei der Problemlösung? Sind Neid und Geiz nicht stärkere Anreize?

Lohner: Die Stärke und damit auch der Erfolg unseres Unternehmens sind die Mitarbeiter. Aus meiner Sicht gibt es vielleicht zwei Entwicklungen: Qualität vs. Billig-Diskount. Wir können und wollen im Einklang mit den Mitarbeitern nur Ersteres anstreben. Allerdings muss auch gesehen werden, dass manche Menschen sich kein Brötchen bei Lohner´s für 26 Cent kaufen können, wenn sie im Billigmarkt nur z.B. 18 Cent bezahlen müssen. Das verweist dann wieder auf bestehende Ungerechtigkeiten!

Lauterjung: Mitarbeiter sind für uns nicht nur "human ressources" sondern auch selbstständig handelnde Menschen, die nicht nur als "Arbeiter" zu begreifen sind. Daher suchern wir auch außerbetriblich den Kontakt mit Mitarbeitern und darüber hinaus der Bevölkerung. Das beinhaltet auch Bereiche wie Gesundheitsfürsorge für Mitarbeiter oder auch psychischer Beratung. Dadurch soll erreicht werden, dass die Mitarbeiter sich als wichtiges Glied der Produktionskette fühlen können. -"Corporate Social Responsibility"

Lindner: Unsere Aufgabe ist die grundlegende Information unserer Leser. Dabei geht es uns in erster Linie um Relevanz,Bandbreite und spziell die Frage: Was hält unser Land zusammen? Was braucht unsere Region?
Ein Anliegen dabei ist es die ganze Sicht zu vermitteln, d.h.nicht nur Negatives zu berichten, sondern auch auf positive Beispiele zu verweisen.

Moderatorin:   Wo sehen Sie Grenzen des Wirtschaftens?

Rheinbey: Aus christlicher Sicht gibt es keine Grenzen. Es geht dabei immer um eine Zweiteilung bei menschlichen Handlungen. Einmal um das Handeln selbst und dann um die Person, die handelt. Das Handeln selbst kann und darf man kritisieren und auch sanktionieren, die Person selbst darf aber nicht zerstört werden.

Moderatorin: Frau Jünemann, Hoffen Sie auf eine Besserung der Situation?

Jünemann: Ja das hoffe ich. Aus meiner eigenen Arbeit (im Augenblick bei einer Firma in Sachsen) sehe ich, dass ein zunehmendes Wertemanagement greift und die Situation auch zunehmend entspannen hilft. Allerdings kann der Staat als Ordnungsmacht ethische Gebote nicht verpflichtend machen. Aber er kann und muss entsprechende Rahmenbedingungen schaffen.

Offene Diskussion:

Aus der folgenden Publikumsdiskussion soll nur ein einziger Punkt herausgegriffen werden, die Frage eines Zuhörers nach der Berechtigung eines Mindestlohns.

Lohner: Bei uns ist das gar kein Thema. Der niedrigste Lohn ist 8,50 Euro!
Lauterjung: Wir zahlen nur Tariflöhne!
Lindner: Aus meiner Sicht darf der Arbeitende nicht weniger verdienen als der "Nichtarbeitende"
Jünemann: Hier greift die kath. Soziallehre: Jeder muss mindestens so viel verdienen, dass er und seine ganze Familie davon menschenwürdig leben können.

Fazit: Gewinn und Moral gehen zusammen

Eine Wertung der Veranstaltung sei dem Leser dieser Zeilen überlassen! Dazu bitte auch den Text unterhalb lesen! Anschließend gab es dann noch einen kleinen Imbiss, der zu weiteren Diskussionen anregen sollte und das auch tat.

Siehe zum Thema einen Bericht aus der Philosophisch-Theologische Hochschule in Vallendar

"Führt uns die Wirtschaftskrise zur Neuentdeckung alter Tugenden?

„Ohne Tugenden und ihre Umsetzung in der Praxis ist kein gelingendes Leben möglich.“ 
Prälat Dr. Karl Jüsten, geborener Rheinländer und seit vielen Jahren als Leiter des Kommissariats der deutschen Bischöfe (Katholisches Büro) in Berlin tätig, führte mit seinem Referat in die Thematik ein, in der es um Wertestandards für (nicht nur) politisches Handeln gehen sollte.
Er wies darauf hin, dass Tugenden nicht von außen an einen Menschen heran getragen werden können, dass diese vielmehr nur aus dem Inneren des Menschen kommen können. Sie sind auf Freiwilligkeit angelegt und können auch nicht durch Recht und Politik erzwungen werden.
Der Mensch ist jedoch in der Lage, Tugenden in sich zu Haltungen auszubilden, die sein konkretes Tun bestimmen. In der heutigen Zeit, in der viel von Entsolidarisierung die Rede ist, braucht es wieder gemeinsame normative Bezugspunkte, braucht es einen Weg von überzogenem Anspruchsdenken hin zum Bewusstsein der eigenen Pflicht, sich einzubringen ins Ganze – sei dies in Parteien, in sonstigen Ehrenämtern oder Vereinen.
Es gehe darum, nicht eine übertriebene, letztlich illusionäre Erwartungshaltung an andere zu nähren (auch nicht an einen „Messias“ Obama), sondern wieder Mut aufzubringen, sich selbst zu engagieren. Jüsten wies dann hin auf das ökumenische Papier „Demokratie braucht Tugenden“, das im November 2006 herausgegeben wurde (zu bestellen im Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz in Bonn bzw. unter www.dbk.de).
Die anschließende Podiumsdiskussion wurde geleitet von Dr. Becker-Huberti, Honorarprofessor für Kirche und Medien an der PTHV und langjähriger Pressesprecher des Erzbistums Köln.
Er konnte Vertreter aller demokratischen Parteien begrüßen: Staatsministerin Malu Dreyer SPD vom Mainzer Sozialministerium, Christa Nickels von der Partei Bündnis 90 / Die Grünen, den ehemaligen rheinland-pfälzischen Justizminister Dr. Herbert Mertin FDP sowie Dr. Stefan Weiland CDU.
In ihren einführenden Plädoyers spielte immer wieder die wirtschaftliche Krise eine Rolle, die auch als Chance begriffen werden kann, doch wieder zu in der Tradition bewährten Haltungen und Tugenden zurück zu kehren. Dabei wurden deutlich die Grenzen politischer Einflussnahme benannt (Mertin: „Menschliches Miteinander lässt sich nicht gesetzlich regeln“), gleichzeitig aber zu einem verstärkten Interesse und Engagement an und in der Politik aufgerufen.
Es geht nicht an, dass „Autos besser gepflegt werden als die Demokratie“ (Nickels). Auf die Frage, welche Tugenden in unserem Land und seiner Politik eine besondere Rolle zu spielen haben, wiesen Dreyer und Weiland hin auf Toleranz (als Ergebnis der 68er Bewegung), Respekt und Demut, Dienst gegenüber dem Gemeinwesen, Aufrichtigkeit und Kompromiss- sowie Kommunikationsfähigkeit."


Text entnommen aus der Website der Philosophisch-Theologische Hochschule in Vallendar unter Aktuelles

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