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Herr
Welling zeigte sich stolz, dass sein Institut sich dieses Themas in
Zusammenarbeit mit KoNet angenommen habe. Er wünschte der Veranstaltung
gutes Gelingen.
Alr erster Redner eröffnete dann Professor Paul
Rheinbay, Prorektor der Philosophisch-Theologischen Hochschule
Vallendar, die Diskussion.
Als Theologe ging er von der Annahme
bzw. (für ihn) Gewissheit aus, dass soziales Handeln (d.h. auch
Wirtschaften ) immer von der immanenten Einheit der beteiligten
Menschen ausgeht. Es gibt dieses Miteinander oder es gibt "gar nichts".
Jeder Mensch ist ein Teil davon und kann als solcher wirksam werden.
Dass dabei Fehler gemacht werden ist nur natürlich. Es komme aber
darauf an, wie wir mit diesen Fehlern umgehen. Als ein Beispiel für die
"verlorene Einheit" nannte er den 9.11. in Amerika. Hier sehe man das
Ergebnis von Versäumnissen beim Umgang mit Fehlern mit einem folgenden
absoluten Werteverlust.
Bezogen auf das Thema des Abends bedeute
das, dass in einem Unternehmen diese (menschliche) Einheit der
Beteiligten gesehen,wiedergefunden und gelebt werden sollte, und dass
es einen internen Wertekatalog dazu geben müsse. Jeder Mitarbeiter muss
eingebunden werden, die Unternehmensziele sollten alle oder wenigsten
die Mehrheit "begeistern". Grundlage dabei sei das Vertrauen in die
"gemeinsamen Ziele". Um das zu gewährleisten seien auch "Wertewächter"
von Nöten.
Neben der eigentlichen (Mit-)Arbeit gehe es dabei auch um
Menschlichkeit im weiteren Sinne, die auch eine Fürsorge der Firma über
das tägliche Arbeiten hinaus umfasse. Arbeit und Wirtschaft seien kein
Selbstzweck, sondern dienten den Menschen.
Im Anschluss daran
übernahm Professorin Ingeborg Henzler, Präsidentin der Fachhochschule
Koblenz die Moderation und stellte -nach einer launigen Anmerkung: "Gut
gepredigt Herr Pater!" kurz die weiteren Diskutanten des Podiums vor:
Professorin Elisabeth Jünemann von der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen
Volker Lauterjung von der Rasselstein GmbH,
Christian Lindner, Chefredakteur der Rhein-Zeitung,
Achim Lohner, geschäftsführender Gesellschafter der Achim Lohner GmbH & Co. KG,
Danach
stellte sie die grundsätzliche Frage, worum es beim Wirtschaften
eigentlich geht oder gehen sollte. Ist kurzfristige Gewinnmaximierung
das Ziel oder mittelfristig die Sorge um den "shareholder value" oder
langfristig etwas ganz Anderes?
Daran anschließend die direkte Anfrage an Volker Lauterjung: Wie lösen Sie diese Probleme?
Lauterjung:
Ich habe als Verantwortlicher (-ich bin auch Theologe-) sehr viel
Erfahrungen mit innerbetrieblicher Kommunikation und begleitend auch
mit echten Schicksalen. Hier ist eine enge Zusammenarbeit und Beratung
nötig. Es ist auch nicht einfach, die "Schuldigen" zu erkennen und
verrantwortlich zu machen, zumal diese oft selbst Opfer genereller
Zusammenhänge und Zwänge sind. Aber es gibt durchaus die Chance, dass
echte Kommunikation und Problemlösung gelingen kann.
Frage der
Moderatorin an Achim Lohner, geschäftsführender Gesellschafter der
Achim Lohner GmbH & Co. KG: Ist es für einen MIttelständler
vielleicht etwas einfacher den Problemen zu begegnen?
Lohner:
Aus der Sicht meines Betriebes und seiner Mitarbeiter würde ich das
bejahen. Dies wird zum Einen durch die Vorbildfunktion der Führung, zum
Anderen aber auch durch die "Begeisterung" für die Arbeit des
Unternehmens gefördert. Es macht mir persönl.ich auch viel Spaß, mit
Mitarbeitern zusammen anstehende Probleme zu lösen.
Frage an
Christian Lindner, Chefredakteur der Rhein-Zeitung: Und wie sieht das
bei Ihnen aus? Wie geht der Chefredakteur mit Informationen und
Mitarbeitern um?
Lindner: Auch wir (Rhein-Zeitung) sind ein eher
regionales Unternehmen. Bedingt durch die Größe und Verbreitung haben
wir relativ wenig direkte Abhängigkeit z.B. von einzelnen
Anzeigenkunden und können dadurch auch unabhängiger reagieren. Dadurch
wird auch die tägliche Arbeit unserer Mitarbeiter, die eine
hervorragende Ausbildung bei uns genießen, einfacher und
befriedigender. Es geht immer um die Aufgabe, unsere Leser umfassend zu
informieren und damit fähig zu machen Zusammenhänge zu sehen und damit
umgehen zu können.
Frage an Professorin Elisabeth Jünemann von
der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen: Wie mir bekannt wurde
haben Sie in Anlehnung an die christlichen
10 Gebote eine Adaption für
den wirtschaftlichen Bereich erstellt und als Richtschnur vorgestellt.
Wie sehen Sie die Problematik?
Jünemann: Wie meine Vorredner
ist auch für mich der Begriff "Vertrauen" ein zentrales Element einer
innerbetrieblichen Kultur. Dieses Vetrauen ist dann gewährleistet, wenn
jeder Mitarbeiter weiß, was der Betrieb (der Chef) als gut und richtig
erachtet, und dies auch mit den ganz persönlichen Einstellungen der
Mitarbeiter in Einklang zu bringen ist. In der Wirtschaftssprache würde
man dann vielleicht eher von "trust" bzw. "confidence" sprechen. Die
heutige Problemlage beruht auch auf der Tatsache, dass die Menschen
gegenüber früher sehr viele Freiheiten und Möglichkeiten haben und
deshalb auch eine übergeordnete Orientierung in Form eines (allgemein
akzeptierten) Regelwerks brauchen.
DekaCert
Moderatorin: Helfen diese Ansätze wirklich bei der Problemlösung? Sind Neid und Geiz nicht stärkere Anreize?
Lohner:
Die Stärke und damit auch der Erfolg unseres Unternehmens sind die
Mitarbeiter. Aus meiner Sicht gibt es vielleicht zwei Entwicklungen:
Qualität vs. Billig-Diskount. Wir können und wollen im Einklang mit den Mitarbeitern nur Ersteres
anstreben. Allerdings muss auch gesehen werden, dass manche Menschen sich kein Brötchen bei Lohner´s für 26 Cent kaufen können, wenn sie im Billigmarkt nur z.B. 18 Cent bezahlen müssen. Das verweist dann wieder auf bestehende Ungerechtigkeiten!
Lauterjung: Mitarbeiter sind für uns nicht nur "human
ressources" sondern auch selbstständig handelnde Menschen, die nicht
nur als "Arbeiter" zu begreifen sind. Daher suchern wir auch
außerbetriblich den Kontakt mit Mitarbeitern und darüber hinaus der
Bevölkerung. Das beinhaltet auch Bereiche wie Gesundheitsfürsorge für
Mitarbeiter oder auch psychischer Beratung. Dadurch soll erreicht
werden, dass die Mitarbeiter sich als wichtiges Glied der
Produktionskette fühlen können. -"Corporate Social Responsibility"
Lindner:
Unsere Aufgabe ist die grundlegende Information unserer Leser. Dabei
geht es uns in erster Linie um Relevanz,Bandbreite und spziell die
Frage: Was hält unser Land zusammen? Was braucht unsere Region?
Ein
Anliegen dabei ist es die ganze Sicht zu vermitteln, d.h.nicht nur
Negatives zu berichten, sondern auch auf positive Beispiele zu
verweisen.
Moderatorin: Wo sehen Sie Grenzen des Wirtschaftens?
Rheinbey:
Aus christlicher Sicht gibt es keine Grenzen. Es geht dabei immer um
eine Zweiteilung bei menschlichen Handlungen. Einmal um das Handeln
selbst und dann um die Person, die handelt. Das Handeln selbst kann und
darf man kritisieren und auch sanktionieren, die Person selbst darf
aber nicht zerstört werden.
Moderatorin: Frau Jünemann, Hoffen Sie auf eine Besserung der Situation?
Jünemann: Ja das hoffe ich. Aus meiner eigenen Arbeit (im Augenblick
bei einer Firma in Sachsen) sehe ich, dass ein zunehmendes
Wertemanagement greift und die Situation auch zunehmend entspannen
hilft. Allerdings kann der Staat als Ordnungsmacht ethische Gebote
nicht verpflichtend machen. Aber er kann und muss entsprechende
Rahmenbedingungen schaffen.
Offene Diskussion:
Aus der
folgenden Publikumsdiskussion soll nur ein einziger Punkt
herausgegriffen werden, die Frage eines Zuhörers nach der Berechtigung
eines Mindestlohns.
Lohner: Bei uns ist das gar kein Thema. Der niedrigste Lohn ist 8,50 Euro!
Lauterjung: Wir zahlen nur Tariflöhne!
Lindner: Aus meiner Sicht darf der Arbeitende nicht weniger verdienen als der "Nichtarbeitende"
Jünemann:
Hier greift die kath. Soziallehre: Jeder muss mindestens so viel
verdienen, dass er und seine ganze Familie davon menschenwürdig leben
können.
Eine Wertung der Veranstaltung sei dem Leser dieser Zeilen überlassen! Dazu bitte auch den Text unterhalb lesen! Anschließend gab es dann noch einen kleinen Imbiss, der zu weiteren Diskussionen anregen sollte und das auch tat.